Freitag, 5. Februar 2010

Merkwürdiges Wort # 1: SEHNSUCHTSMODELL



Wie an anderer Stelle eingestanden, verdanke ich der Ö1-Sendung Radiokolleg auch ein herrliches Merkwürdiges Wort, nämlich

Sehnsuchtsmodell

Da es in der verworrenen Welt des Ad-Biz geboren wurde, ist semantisch nicht ganz klar rübergekommen, ob wir Menschen Sehnsuchtsmodelle schon haben (so wie angeborene Ideen) oder ob die Werbung sie für uns errichtet, konstruiert. Kann auch sein, dass beides der Fall ist, und die Modelle, die wir haben, sind falsch, und die Werbung gibt uns die richtigen, oder umgekehrt. Jedenfalls, einer der im Radiokolleg interviewten Macher und Sachwalter zählte die gängigsten Sehnsuchtsmodelle auf: Die Menschen wollen, dass die Welt um sie herum in Ordnung ist, keine Bedrohung durch Terroristen, denen C4 wie Kaugummi an der Schuhsohle klebt, kein Treibsand-Lebensgefühl, verursacht durch wirtschaftliche Katastrophen, sondern ein zufriedenes, gutes, schmerz- und angstfreies Leben, solide und doch bunt, und das ganze Paket auch für die eigenen Kinder in eine lange Zukunft hinein. Verständlich. Doch wie sagt Silesius, der Dichter, der nur ein einziges Sehnsuchtsmodell kannte?
„Die Heilgen sind darum mit Gottes Ruh umfangen
Und haben Seligkeit, weil sie nach Nichts verlangen.“


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