Donnerstag, 25. Februar 2010

Merkwürdiges Wort # 2: ZAHNTOURISMUS



Es geht eine Trä-äne auf Reisen. Und von der Trä-äne ist es nicht weit zum Zahnarzt, diese Assoziation ist wohl nicht schwer nachzuvollziehen. Natürlich geht es beim Zahntourismus nicht darum, dass Zähne verreisen. Das wäre höchstens Stoff für einen niedlichen Cartoon, den man an dieser Stelle einfügen könnte: Gezeigt würde etwa ein Zahn im Liegestuhl, mit Sonnenbrille, Badehose, mit einem kalten Getränk neben sich, und im Hintergrund – angedeutet – eine verglaste Hotelfront, Palmengestrüpp. Oder eine Zahnfamilie: fröhlich, umgeben von einem Haufen Gepäck, am Bahnhof, am Flughafen oder – reisefertig – vor dem eigenen Auto abgebildet – Herr und Frau Molar, die Tochter Prä und der Hund Canini, und alle zusammen (auch der Hund, it’s a cartoon, remember?) rufen aus: „Wir machen Urlaub in Cisivi!“
Also: Nicht die Zähne gehen auf Reisen, sondern ihre Besitzer, und die besuchen Zahnärzte, und die reparieren’s billiger als zu Hause, wodurch häufig das Risiko für den Patienten steigt, aber dieser thrill scheint eine der Verlockungen des Zahntourismus darzustellen.
Trotzdem, das wirtschaftliche Potenzial, das in diesem neu sich entwickelnden Brauchtum steckt, wurde erst im Ansatz erkannt. Zwar werden ein paar popelige Busreisen angeboten, schmerzgeplagte Bewohner der Nachbarländer werden beispielsweise ins günstig und tüchtig bohrende Ungarn gekarrt.
Aber wo bleiben die Luxusangebote?
Wann gibt es endlich eine DENTAL AIRLINES? Mit Ohrenbackensitzen, bei denen die Ohrenbacken sanft und stufenlos regulierbar beheizt werden können, sodass schmerzhaft pochende Menschenbacken sich dagegen drücken dürfen, um Linderung zu finden? Aah, wohlig warm ... Falls die Schmerzen vor der Landung beim Dentisten unerträglich würden, könnten alle Maschinen der DENTAL AIRLINES ein Not-Labor an Bord mitführen, für eine duty-free-Behandlung über den Wolken. Die Bordfilme wären zwar nicht immer neueste Ware, doch stets thematisch akkurat ausgewählt – The Whole Nine Yards, Marathon Man, Lethal Weapon IV. Auf Wunsch könnte man auch Literatur verteilen, ich stelle mir da Titel vor wie „Heile dich selbst auf 10.000 Meter“, „Der Schmerz, dein Freund und Helfer – lass ihn fliegen“, „Wenn du mit dem Kopf gegen die Wand schlagen willst, aber Angst hast, dir damit einen bleibenden Schaden zuzufügen, dann lies dieses Buch“ oder die Fortsetzung „Wenn der Schmerz weg, der Schaden aber geblieben ist“.
Übernachten könnte man übrigens in einem exklusiven Hotel der Crown-and-Bridge-Kette. Die dort servierten Menüs würden zum Beispiel auch die armen Märtyrer ernähren, die darauf warten müssen, dass man ihnen die neue Prothese einsetzt. Es gäbe Shuttle-Dienste zu den diversen Zahnkliniken oder -studios, deren Publicity-Material überall im Hotel aufläge, ebenso wie diskrete Hinweise auf kostengünstige, fähige Schmerztherapeuten und spezialisierte Kredit-Institute. Ein Renner wäre die vorteilhafte Reklamationsübernachtung – kommen Sie wieder, wenn’s noch immer klemmt, schmerzt, wetzt, ätzt, bleiben Sie zum halben Preis. Ein individualisiertes Freizeit-Angebot der Crown-and-Bridge-Hotels konzentriert sich auf Boxen und Kampfkünste (Mixed Martial Arts) – das ist einerseits gut für Koordination und trainiert die Selbstverteidigungspower; andererseits löst sich möglicherweise das eine oder andere Zahn-Problem beim Training von allein. Und das alles wäre erst der Anfang ...
















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