Sonntag, 7. März 2010

Hl. Message # 8: I precari


















messe sonntag bildbetrachtungen


die ersten verschleißerscheinungen machen sich bemerkbar.
gähn. tag drei auf der messe.
nein, nein man möge diesen gähner nicht
als einen aus langeweile ausgestoßenen betrachten


ohrensausen vom stimmengewirr
ein großer bienenstock baumelt über mir
natürlich nicht tatsächlich
die stimmenbienengeräusche säuseln einschläfernd


augenblickabnutzung von den vorbei gleitenden gestalten
tatsächlich jede menge die da schlendern und schauen und plaudern
stülpe mir eine wahrnehmung abschirmende käseglocke
über den schädel.
sonst ließe sich kein einziges wort ausstoßen
mit der kraft der fingerspitzen, die über die tasten tänzeln
und ihre befehle willig von windigen gedanken entgegen nehmen
sitzleder und rückenspeck murren
die schreibhaltung auf dem messestandkubus
ist nicht gerade die optimale


null bock auf weitere gespräche


verkrieche mich jetzt hinter bildern
genauer: lasse mich unsichtbar werden und
versinke in meinen favoriten….
noch genauer das geschiebe und die menschenströme
behindern direkte bildbetrachtung
technik rettet mich
durch die gänge streifend
habe ich einige werke ausgewählt
und fotografiert.

befrage sie jetzt und
lass sie zu mir sprechen
eine ganz und gar nicht repräsentative auswahl

jean denant
i precari


















auf schwarz grundierter leinwand zeichnet jean denant mit weißer kreide, die flüchtigen linien werden nicht fixiert. ausgehend von familienfotos erzählt er eine lebensgeschichte. fragil, wie verblassende erinnerung treten uns figuren entgegen, gespenster aus der vergangenheit die gleichgültig wirken uns aber nicht gleichgültig bleiben lassen.













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Hl. Message – Das Letzte / Nachtrag von MI: 10/03/2010



der messetrubel ist vorüber und der alltag bricht über mich herein.
nachdem auch das allerletzte gesagt ist, werde ich
meinen unsichtbaren arbeitskittel, der mich als messeschreiberin kennzeichnete, zusammenfalten und ihn in die unterste schublade der kleiderkommode legen.
dort genießt er die gesellschaft anderer abgelegter identitäten.


bildbetrachtungen zweiter und letzter teil


interessante technik
und schon wieder Jean Denant


















inhaltlich ist sein bilderzyklus zum thema krieg wenig ansprechend.
beeindruckend hingegen die technik: der bilduntergrund besteht aus
holzplatten, mehrere holzschichten mit unterschiedlichen farben wurden zusammengeleimt. das bild wird förmlich herausgerissen, das schnitzeisen fügt der weißen oberfläche wunden zu und die gestalt tritt in brauntönen hervor.













alles schachtel oder was?

designinstallation von walter thaler
ausstellungskoje erwin seppi contemporary art gallery, meran
hier war interaktion erwünscht. ausstellungsbesucher jeden alters durften schachteln stapeln. eine zuerst kompakte wand aus schachteln veränderte sich ständig und griff in den raum außerhalb des standes über.
einstürze - aufbauten – wegverbauungen – mauerbauten – mauerfall…
die atmosphäre des bespielten raumes pendelte:
ordnung – eingesperrtsein, chaos – überschwemmung













nachtrag: kein mensch stellt sich vor wie viel mühe es kostet all die schachteln zu falten erst zusammen dann auseinander. im selbstversuch half ich mit einigen unerschrockenen die schachteln wieder plattzumachen ah plattzufalten. schnittverletzungen, zugluft und eisige messe-hallen-leere aber auch das bewahrheitet finden der alten volksweisheit „viele hände bereiten der arbeit ein schnelles ende“.

hirnlosigkeit













wer hatte wohl die glorreiche idee die sitzgelegenheit in form eines hakenkreuzes zu arrangieren. soll das provokant sein oder ist das einfach nur hirn- und geschmacklos.
da sollten köpfe rollen
und das tun sie auch

lois anvidalfareis

bronzeplastik starrt händeringend an die decke:














the ambassador
schimmert zuerst silbern:














und läuft dann rot an
als er den frevel erblickt:














witzig
oder was auf den ersten blick wie ein schwarm insekten oder schmetterlinge wirkt

















stellt sich als papierfaltwerk heraus, die im liebesakt verrenkte körper darstellt:

gesehen bei bulart gallery, varna, bulgaria; künstler: cholakov.

the glocal rookie of the year













and the winner is….
marco querin, werk: fuck all your guns:

wer blickt mir da so finster hinterher. Aha, ezra pound hat es sich nicht nehmen lassen persönlich die kunstmesse zu besuchen, welch eine ehre, ihm zu begegnen, wenn auch immer mit gemischten gefühlen.
protest, ezra ist ja längst schon in anderen sphären.


















na gut, ich gebe es zu, in wirklichkeit bin ich nur seiner photografie begegnet
ezra pound 1968, fotografia ai sali d’argento von ermete marzoni.

und da drüben lässt nino longobardi den tod tanzen:


















die jungen frauen gemalt vom bozner künstler harald plattner
schauten mich drei ganze messe tage lang an
unsere blicke kreuzen sich. der betrachter wird vom bild betrachtet.
„schau her“ scheinen sie zu sagen, aber achtung, ich kann dich sehen.

























schwerpunkt japan
ganz so schwer und bedeutend war dieser punkt nicht.
einiges hat meinen blick trotzdem kurz zu fesseln vermocht

yukiko takada: „no“ – japanese paper, ink:


















aya takagi: „bloom“ – acrylic on cotton canvas:


















gabriele corni – “still life” – inkjet print, cotton paper:













der rundgang ist beendet.
hl. message – das letzte: abgeschlossen.

danke
für die inspirierende erfahrung
danke: martin hanni, christoph pichler, dem südtiroler künstlerbund, lisa trockner, katrin ortner und sebastian.


















Post von Sonja Steger


















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