Samstag, 4. September 2010

Marsch, Wanze!


Oh, dieses Tagblatt, mit dem dieses herrliche Land geschlagen ist!

Wenn sich einmal nicht der Weinberg-Gallier in seiner betulichen Stakkato-Syntax über heimische Angelegenheiten öffentlich Sorgen macht, dann werden andere Bedrohungsszenarien heraufbeschworen, um auch noch die wohlstmeinenden Leser beim Vormittagskaffee scharf zu machen. Siehe dazu die lustige Schlagzeile auf dem Titelblatt des Tagblatts:


Wir zittern. Nicht nur ob der Bedrohung durch ganze Kohorten von Cimex lectularius, sondern noch mehr wegen der miserablen Ausdrucksweise und schlechten Grammatik, durch die sich das Tagblatt immer wieder profiliert. Trotz – wie kolportiert wurde – lebenslangen Korrekturstift-Ansetzens durch Dr. Josef Rampold. „Im Vormarsch“ - jedem gewiegten Militaristen sträuben sich die Haare auf den Schultern. Bis jetzt war immer noch alles „auf dem Vormarsch“ - sei es die Aufklärung (zugegeben: nicht in diesem Land, nicht in diesen Köpfen), sei es der brave Soldat Schwejk. Man fragt sich: Liegt hier Unkenntnis der Grammatik von Seiten der verantwortlichen Redakteure vor? Dann hätte die Kürzestsyntax wohl den Zweck, pro Satz so wenige Fehler wie möglich zu machen. Oder wurde am Ende grammatische Korrektheit einigen Punkten Typengröße geopfert, sodass sich statt zwei richtig nur ein falsch platziertes Wort ausging? Um's noch einmal klarzutexten: Die Wanzen wohnen im Bett und nicht im Vormarsch.

(Cimex lectularius, die Bettwanze. Foto: Wikipedia)

So wurstelt es fort, das Tagblatt, getreu dem greisen Motto: „Die ältesten Hüte passen auf die meisten Köpfe.“ Statt uns mit Wanzen zu belästigen, die nicht einmal einen saftigen Abhörskandal ausgelöst haben, könnte man sich einmal mit weitaus gefährlicheren Schädlingen befassen. Da wir versuchen, auf diesen HTML-Seiten auch die spontanste Suada mit einem konstruktiven Vorschlag abzurunden, sei auch diesmal konstruktiv nachgefragt. Wann wird sich das Tagblatt endlich seiner Verantwortung bewusst werden und sich als ernst zu nehmendes Forum etablieren? Warum nicht endlich einmal offen und breit über wiedererstarkende faschistische und neonazionalistische Tendenzen im Land berichten? Warum nicht in einer Serie Strukturen vorstellen, die ihre Arbeit genau diesem Problem widmen, womit gleichzeitig Aufklärung und Hilfe zum Beispiel für betroffene Familien geschaffen würde? Warum nicht jenseits allen Leserbrief-Gedöns eine Seite einrichten, auf der Historiker über die Problematik diskutieren; dazu müssten auch die Vertreter des rechten Lagers Raum bekommen, damit das Wort- und Sachgefecht im Freien und im Licht geführt werden kann. Warum immer noch verkrampft die tatsächliche heterogene Südtiroler Realität hinter Postkartenidyllen von Karterle und Glasl Wein verbergen? Warum nicht aus Andreas Hofer endlich ein Schnappviech für den Egetmann-Umzug machen, und das war's dann, Rübezahl. Warum nicht endlich mehr FAZ und NZZ und weniger BILD im Tagblatt? Besser wär's, man rüstete sich endlich und ließe alte Gedankenkonstrukte hinter sich. Die Zukunft ist auf dem Vormarsch. Das ist sie immerzu.
 
 
 
 
 
 
 
 

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