Dienstag, 26. Oktober 2010

FORUM LITERATUR # 33: The Strange Guys of Oxford

(Im Uhrzeigersinn: Lewis Carroll, C.S. Lewis, Philip Pullman, J.R.R. Tolkien. Fotos: Wikipedia. Philip Pullman wurde fotografiert von Adrian Hon)

In dieser Folge hören Sie ein Gespräch mit unserer Mitarbeiterin Margot Schwienbacher über die lustigen Käuze aus Oxford, die Leserinnen und Lesern auf der ganzen Welt deren Lieblingsbücher geschenkt haben. Hier sind die Zitate, mit denen wir die Sendung eröffnet haben:

„Jordan College war das imposanteste und reichste College in Oxford. Wahrscheinlich war es auch das größte, obwohl das keiner so genau wusste. Die Gebäude umschlossen drei unregelmäßige Innenhöfe und vereinten in sich sämtliche Stilrichtungen vom frühen Mittelalter bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Eine einheitliche Planung hatte es nie gegeben. Das College war nach und nach gewachsen, überall stießen Vergangenheit und Gegenwart aneinander und dadurch entstand der Eindruck einer bizarren und schon etwas verblichenen Pracht. (…)
Dem College gehörten Höfe und Ländereien in ganz Brytannien. Es hieß, man könne von Oxford nach Bristol in der einen und nach London in der anderen Richtung gehen, ohne das Gebiet des College zu verlassen. Überall im Königreich zahlten Färbereien und Ziegeleien, Wälder und Atomkraftwerke Pacht an das College, und einmal im Quartal rechneten der Finanzverwalter und sein Buchhalter alles zusammen, gaben die Summe dem Konzil bekannt und bestellten zwei Schwäne für das Festessen. Ein Teil des Geldes wurde wieder investiert – das Konzil hatte soeben den Kauf eines Geschäftsgebäudes in Manchester genehmigt -, vom Rest bezahlte man die bescheidenen Gehälter der Wissenschaftler und die Löhne des Personals, (…) den Wein für den reich gefüllten Weinkeller, die Bücher und Anbarografen für die riesige Bibliothek, die eine ganze Seite des Melrose Quadrangle einnahm und sich höhlenartig über mehrere unterirdische Stockwerke erstreckte, und nicht zuletzt neue philosophische Instrumente für die Kapelle. (…)“ 
       Pullman, Der Goldene Kompass, Carlsen 2007 (42f)

„Der Abendhimmel war ein Meer zarter pfirsich-, aprikosen- und cremefarbener Sahnewölkchen auf einem weiten, orangefarbenen Himmel. Ringsherum ragten die Türme und Giebel von Oxford auf; im Westen und Osten erstreckten sich die Wälder von Château-Vert und White Ham. Irgendwo krächzten Raben und läuteten Glocken und von den Ochsenställen her kündigte der Takt eines Gasmotors den Aufstieg des Abendzeppelins mit der Post für London an. Lyra beobachtete, wie er sich jenseits der Turmspitze der St. Michael's Chapel entfernte, zunächst noch so groß wie das oberste Glied ihres kleinen Fingers, wenn sie ihn auf Armlänge von sich wegstreckte, dann immer kleiner, bis er nur noch ein Punkt am perlmuttfarbenen Himmel war.
Sie wandte sich ab und sah in den dunkel werdenden Hof hinunter. Einzeln oder zu zweit strebten die schwarzgekleideten Gestalten der Wissenschaftler dem Speisesaal zu; ihre Daemonen trotteten oder flatterten neben ihnen her oder hockten ruhig auf ihren Schultern. Im Speisesaal gingen die Lichter an; nach und nach begannen die bunten Glasfenster zu leuchten, als die Diener die Tische entlanggingen und die Naphtalampen anzündeten. Die Klingel des Stewards verkündete, dass es noch eine halbe Stunde bis zum Abendessen war.
Das war ihre Welt. Lyra wollte, dass sie in alle Ewigkeit so blieb, aber sie änderte sich, denn da draußen entführte jemand Kinder.“
     Pullman, Der Goldene Kompass, Carlsen 2007 (73)

Pullmans erfolgreiche Roman-Trilogie "His Dark Materials" finden Sie in deutscher Übersetzung hier. Hier informieren wir Sie über Philip Pullmans jüngste Veröffentlichung - von diesem Blogeintrag führen auch noch weitere Links zu mit diesem Autor verbundenen Themen.

Hintergrundinformationen über C.S. Lewis finden Sie in: 

Alan Jacobs: Der Mann aus Narnia. C.S. Lewis – sein Leben und seine Welt. Dt. von Christian Renel. Lahr: St.-Johannis-Druckerei 2007

Das sind die Narnia-Bücher in der von Lewis letzter Hand festgelegten Lese-Reihenfolge:

1.    Das Wunder von Narnia
2.    Der König von Narnia (The Lion, the Witch ...)
3.    Der Ritt nach Narnia
4.    Prinz Kaspian von Narnia
5.    Die Reise auf der Morgenröte
6.    Der silberne Sessel
7.    Der letzte Kampf


Brian Sibley: Shadowlands – eine späte Liebe. Die Geschichten von C.S. Lewis und Joy Davidman. Dt. von Barbara Brugger. Gießen: Brunnen Verlag 2008.

Außerdem:

C.S. Lewis: Über den Schmerz. Gießen: Brunnen Verlag 1988.

C.S. Lewis: Pardon, ich bin Christ. Meine Argumente für den Glauben. Gießen: Brunnen Verlag 1986.

Ein Jahr mit C.S. Lewis. 366 Inspirationen aus seinen Werken. Gerth Medien 2005.

Weiter geht es mit dem fantastischen J.R.R. Tolkien, der mit C.S. Lewis eine Vorliebe für Geselligkeit und entlegene literarische Gebiete teilte. Divergenzen gab es allerdings auch.

Hintergrundlektüre:

Fabian Geier: J.R.R. Tolkien. Rowohlt Monographie. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2009

Dieter Petzold: Tolkien. Leben und Werk. Eggingen: Edition Isele 2004.

Humphrey Carpenter: J.R.R. Tolkien. Eine Biographie. Klett-Cotta 2004.

Neben den Klassikern „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ wird die Geschichte von Arda, der Tolkien-Welt, in folgenden Texten noch weiter ausgebaut:

J.R.R. Tolkien: Das Silmarillion. Dt. von Wolfgang Krege. Klett-Cotta 2005.

J.R.R. Tolkien: Die Kinder Húrins. Dt. von Hans Schütz und Helmut Pesch. Klett-Cotta 2007.

J.R.R. Tolkien: Tuor und seine Ankunft in Gondolin. München: dtv 2002.

Außerdem:

Robert Foster: Das große Mittelerde-Lexikon. Ein alphabetischer Führer zur Fantasy-Welt von J.R.R. Tolkien. Bastei Verlag 2010.



Als Hintergrundlektüre für Lewis Carroll (Charles Lutwidge Dodgson) haben wir verwendet:

Thomas Kleinspehn: Lewis Carroll. Rowohlt Monographie. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1997.

Die „Alice“-Romane sind in verschiedensten Ausgaben erschienen.

Außerdem:

Lewis Carroll: Briefe an kleine Mädchen. Frankfurt (M): Insel 1994.

Katie Roiphe: Rätselhafte Alice. Die Geschichte von Lewis Carroll und der kleinen Alice. Dt. von Friedhelm Rathjen. Europa Verlag 2002.

Lewis Carroll: Das Spiel der Logik: Mit Spielbrett. Dt. Von Michael Zöllner. Klett-Cotta 1997.

Lewis Carroll: Tagebuch eine Reise nach Russland im Jahr 1867. Frankfurt (M): Insel 1999.






Montag, 18. Oktober 2010

FORUM LITERATUR # 32: Jaroslav Hašek und Dietmar Grieser

In dieser Ausgabe lassen wir uns gute Literatur vorlesen. Die Texte stammen von zwei Autoren, die immer wieder mal zu Gast im RAI-Sender-Bozen-Literaturprogramm sind. Helmut Wlasak liest für uns zwei Erzählungen von Jaroslav Hašek - "Das Abenteuer des Gyula Kakonyi" und "Auf einer verlassenen Latrine" - und Dietmar Grieser liest aus seinem "Fahrtenbuch eines Literaturtouristen", und zwar das Kapitel "An den Briefen sollt ihr sie erkennen". Um dem leicht altösterreichischen Flair gerecht zu werden, das diese Ausgabe durchweht, haben wir zur Untermalung Musik von Johann Strauss Jr. ausgesucht. Sie hören:

Sachsen-Kürassier-Marsch Op. 113
Etwas Kleines, Polka francaise, Op. 190
Polka Mazurka champetre, Op. 329
Abschieds-Rufe, Walzer, Op. 179  

(Dietmar Grieser bei einer Lesung. Fotograf: Lutz Höritzsch, Büdingen, 15. Oktober 2005. Quelle: Wikipedia)