Freitag, 22. April 2011

Forum Literatur # 53: Floortje Zwigtman


Margot Schwienbacher ist wieder im Forum-Literatur-Studio zu Gast. Mit ihr unterhalten wir uns diesmal über eine niederländische Autorin. Ihr Name ist Floortje Ziwgtman (ein Pseudonym für Andrea Oostdijk). Ihre Bücher werden der Jugendliteratur zugerechnet, doch kann man durchaus darüber diskutieren, ob sie in dieser Ecke wirklich etwas verloren haben. Es sind komplexe Romane, in denen die Autorin auf scharfsinnige Weise menschliche Frage bis zu einer Tiefe verfolgt, in der sie anfangen, ungemütlich zu werden. Spannende, einen nicht mehr loslassende Lektüre ist garantiert. Da ist zu einem ihr Roman "Wolfsrudel" (Gerstenberg), in dem ein Bruderkonflikt gleich auf mehreren Ebenen ausgetragen wird: auf der menschlichen Ebene zwischen den beiden jugendlichen Räubern Lupu und Vulpe, auf der übernatürlichen Ebene zwischen den Brüdern Vlad und Radu und - wenn man bestimmte Andeutungen der Autorin heranzieht - auch auf einer metaphysischen Ebene. Nach einer alten Zigeunerlegende waren auch Gott und der Teufel am Beginn der Welt Brüder. Das klingt nach Altbekanntem, tatsächlich erkennt man in diesem Buch nichts wieder, denn man verirrt sich im Dickicht der Geschichten. Am Ende ist überhaupt nicht klar, wer zu welchem Lager gehört ...


Bald wird Zwigtmans Trilogie um den jungen Engländer Adrian Mayfield auch in deutscher Sprache zur Gänze erhältlich sein. Nach Band 1 ("Ich, Adrian Mayfield") und Band 2 ("Ich, Adrian Mayfield - Versuch einer Liebe") wird im Juni 2011 Band 3 ("Ich, Adrian Mayfield - Auf Leben und Tod") im Gerstenberg-Verlag erscheinen. In diesen Roman begeben wir uns ins London des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Oscar Wilde hält im Café Royal öffentlich Hof und hat eine Liebesbeziehung mit dem Sohn des berüchtigten Marquis von Queensberry, andererseits werden Männer, die Männer lieben, verfolgt und zu Zwangsarbeit verurteilt. Zwischen Kunst und Prostitution muss der junge Adrian Mayfield seinen Weg finden. Findet er mit dem Maler Vincent Farley dauerhaftes Glück?


Die Musik kommt diesmal von dieser wunderbaren CD:











FORUM LITERATUR # 52: Reise-Literatur


Diese Ausgabe über das Reisen ist in gewisser Weise eine Fortsetzung der letzten Folge, in der wir über die Insel in der Literatur gesprochen haben. Wir beenden die Liste mit "Insel-Büchern", die wir beim letzten Mal nicht vollständig abarbeiten konnten.


Anschließend stellt uns Margot Schwienbacher einen Roman der australischen Autorin Gail Jones vor. Der Roman "Sechzig Lichter" ("Sixty Lights") erzählt das kurze, aber ereignisreiche Leben von Lucy Strange, einer Photographin, deren Schicksal sich zwischen Australien, England und Indien erfüllt. Daher passt das Buch gut in eine Sendung über das Reisen. Im Hardcover ist es bei Nautilus erschienen, als Taschenbuch bei dtv.


Zuletzt liest Dietmar Grieser ein Kapitel aus seinem Buch "Schauplätze der Literatur - vom Zauberberg zur Strudelhofstiege". Darin geht es um einen Abstecher, den der Literaturreisende Grieser ins Fersental unternimmt, um Grigia, die Frau aus der gleichnamigen Novelle von Robert Musil, zu finden.







Sonntag, 10. April 2011

FORUM LITERATUR # 51: Die Insel in der Literatur

 
Diesmal sprechen wir über ein Buch, das nicht nur äußerlich schön gestaltet ist (es gewann den 1. Preis für Buchkunst 2009, das Jahr, in dem es auch im mare-Verlag erschienen ist), sondern auch literarisches Vergnügen bereiten kann - Judith Schalanskys Atlas der abgelegenen Inseln. Wir zitieren die in ihrer Kombination von Faktischem und Phantastischem an Borges erinnernde Geschichte von der Insel Rapa Iti und dem Franzosen Marc Liblin, der die Sprache dieser Insel im Traum erlernt hat. Dieses Buch der 1980 in Greifswald geborenen Autorin bewirkt, dass wir uns daran erinnern, wie lustvoll das Reisen mit dem Finger durch den Atlas sein kann. Die Insel ihrerseits war und ist (bis hinein in die Welt des populären Schlagers) eine geographische Projektionsfläche für Wünsche, aber auch Ängste. Ein überschaubares, eingegrenztes Gebiet, von dem Menschen u.U. nicht mehr fliehen können. Ein ausgezeichnetes Motiv, um Geschichten zu erzählen. Es macht Spaß, sich mit Freunden zu überlegen, wie viele Bücher über Inseln jedem einfallen, so als Gesellschaftsspiel. Wir haben für die Sendung einige zusammengestellt, aus Zeitgründen konnten nicht alle besprochen werden. Hier also die Liste:

Homer: Odyssee (spätes 8. Jh. v. Chr.)
William Shakespeare: The Tempest (Der Sturm; 1610/11)
Daniel Defoe: Robinson Crusoe (1719)
Johann Gottfried Schnabel: Insel Felsenburg (1731, 1732, 1736, 1742)
R.M. Ballantyne: The Coral Island (1857)
Robert Louis Stevenson: Treasure Island (Die Schatzinsel; 1883)
Anton Tschechow: Die Insel Sachalin (1893)
Charles Nordhoff/James Norman Hall: Mutiny on the Bounty (Meuterei auf der Bounty; 1932)
Agatha Christie: And Then There Were None (Zehn kleine Negerlein bzw. Und dann gab's keine mehr; 1939)
William Golding: Lord of the Flies (Herr der Fliegen; 1954)
Aldous Huxley: Island (Eiland; 1962)
Christoph Ransmayr: Die Schrecken des Eises und der Finsternis (1984)
Raoul Schrott: Tristan da Cunha oder die Hälfte der Erde (2003)
Terry Pratchett: Nation (Eine Insel; 2008)
Die Musik in dieser Folge stammt von der CD-Edition "Island Blues. Entre mer et ciel". Voilá: