Dienstag, 10. Juli 2012

FORUM LITERATUR # 99: Das Lufer-Haus, Burnside, Capus, Toole



Heute stellen wir jenen unter Ihnen, die sich gern zu Hause ein wenig gruseln, ein neues Hörspiel vor – der Titel lautet „Das LuferHaus“. Und das sagt Ihnen schon, dass hier das Motiv des Spukhauses weidlich ausgenutzt wird. Geschrieben wurde das Hörspiel von Kai Schwind.


Unser erstes (gedrucktes) Buch stammt vom schottischen Erzähler John Burnside und trägt den Titel „In hellenSommernächten“. Wenn Sie jetzt an eine romantische Erzählung denken, die zwischen römischen Ruinen, in einem Seebad mit Patina oder zwischen toskanischen Hügeln stattfindet – weit gefehlt. Nicht umsonst kommt dieser Roman gleich nach dem Hörspiel „Das Lufer-Haus“. In dieser Geschichte befinden wir uns in Norwegen, auf der fünftgrößten Insel Kvaløya – zwei Brüder, Mats und Harald Sigfridsson, sind kurz nacheinander ertrunken. Bald darauf holt sich die See den Urlauber Martin Crosbie, und auch ein älterer Mann namens Kyrre Opdahl verschwindet spurlos. Zehn Jahre nach diesen Geschehnissen erinnert sich die Ich-Erzählerin Liv an diese Ereignisse. An die Theorien, die damals gesponnen wurden. Daran, dass die Huldra, eine wilde und ungezügelte Naturgöttin, etwas mit all dem zu tun hatte. Auch von ihren eigenen Lebensumständen erzählt Liv – und von Maia, die in jeder Hinsicht ihr Gegenstück gewesen zu sein scheint.


Ein junger Mann lernt eine junge Frau kennen. Diese Geschichte hat der Schweizer Erzähler Alex Capus bereits einmal sehr fein erzählt, und zwar unter dem Titel „Etwas sehr, sehr Schönes“. Sie steht an erster Stelle in seinem Erzählband „Eigermönchundjungfrau“ – wie die drei Berggipfel, zu einem Wort zusammengefügt. „Etwas sehr, sehr Schönes“ erzählt die Geschichte, wie Capus‘ Eltern einander kennen gelernt haben. Jetzt hat sich der Autor seiner Großeltern angenommen, doch benutzt er deren Biographie nur als Richtschnur für eine fiktive Erzählung, einen Roman mit dem Titel „Léon und Louise“.


In dieser Folge erleben wir Alex Capus nicht nur als Autor, sondern auch als Übersetzer. „Die Verschwörung der Idioten“ von John Kennedy Toole ist heute ein so genannter Kultroman – aber als er 1980 zum ersten Mal erschien, betrug die Startauflage gerade mal 2500 Exemplare. Ein Jahr später gewann das Buch den Pulitzer-Preis. John Kennedy Toole, der in seinen letzten Jahren psychisch belastet war, hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits umgebracht. Sein Vermächtnis, eben der Roman „Die Verschwörung der Idioten“ wurde schließlich nur veröffentlicht, weil die Mutter des verstorbenen Autors – Thelma Toole – einfach nicht locker ließ.
Dieser Roman ist jetzt in neuer deutscher Übersetzung erschienen, die eben Alex Capus für den Klett-Cotta-Verlag besorgt hat.








 



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