Samstag, 19. Oktober 2013

Blödsinnige Klappentexte



(Cover: Rowohlt)


"Wir könnten unsere kleine Freitags-Serie (frz. ausgesprochen) blödsinniger Klappentexte fortsetzen ..." (Manfred Papst beim Franz-Tumler-Literaturpreis 2013, am Freitag, 20. September in Laas).

Und genau das tun wir an dieser Stelle. Hier ein Fundstück aus dem Klappentext zum neu erschienenen Roman von Martin Walser "Die Inszenierung":

"(...) Die Figuren handeln durch Rede und Gegenrede, mit einander und gegen einander redend handeln sie: Sie stehen auf dem Spiel, darum müssen sie sprechen. Obwohl es in der Inszenierung um nichts als Liebe geht, ist, was darin verhandelt wird, etwas Unerhörtes, eine Sensation: Dr. Gerda, die Ehefrau, und Ute-Marie, die Nachtschwester, sind bei aller Lebensverschiedenheit gleich gut, gleich bedeutend, gleich zurechnungsfähig und auch gleich schön. Das gibt dem Uralt-Thema eine überraschende Aktualität. (...)"

Nun ist der Klappentext mit Sicherheit eine anspruchsvolle Textsorte, muss er doch den schmalen Grat zwischen Pragmatik (worum geht's) und schmeichelndem Marketing (sollst'es lesen) ausloten. Aber hier? Hier ist eine derart verstörende Verstrickung von germanistischen, marketingtechnischen, klagenfurtpreisgewinnenwollenden und noch einigen obskur bleibenden Missverständnissen zu diagnostizieren, dass es sich tatsächlich negativ auf den Verkauf des Romans auswirken könnte, über den hier nichts gesagt sei.
Stattdessen nehmen wir eine Aussage aus dem Kiel eines Rezensier-Urgesteins her und ohrfeigen sie einmal um den Block. Sie findet sich übrigens auf der Rückseite des Roman-Schutzumschlags. Statt den Roman zu schützen, steuert sie gefährliche Sprachwässer an:

"Wieder einmal beweist Martin Walser, wie viel (und nicht schmerzlos) er versteht vom Leben, das Mann und Frau aneinander bindet, auch indem es trennt. Fast schneidend buchstabiert Walser hier 'Liebe' - das ganze Buch hindurch, und viele Formulierungen brennen geradezu. Man möchte applaudierend mitschreiben."



Hier noch einmal zum applaudierenden Mitschreiben:

"Wieder einmal beweist Martin Walser (Walser mit seinem Roman unter Beweiszwang? Romane als Beweisführung? Gilt das nicht höchstens für Dostojewski und dort maximal in einem Fall?), wie viel (und nicht schmerzlos) ("wie viel (und nicht schmerzlos) er versteht" - ist das korrektes Deutsch? Wo war die redigierende Person?) er versteht (versteht er? Ist das nicht ein Roman, in dem es um die Figuren geht? Ist es stattdessen ein Traktat von Martin Walser über SEIN Verständnis usw.??) vom Leben, das Mann und Frau aneinander bindet, auch indem es trennt (wenn Sie mal ein Klischee brauchen, kontaktieren Sie Herrn Raddatz). Fast schneidend (???) buchstabiert Walser hier 'Liebe' - das ganze Buch hindurch (klingt wie der avantgardistische Alptraum-Roman eines Verrückten), und viele Formulierungen brennen geradezu (tun sie das? manche mögen's heiß...). Man möchte applaudierend mitschreiben (weil's Lesen zu langweilig ist? Oder weil man nach Lektüre dieses Romans endlich das Gefühl hat zu wissen, wie's funktioniert mit der Liebe und dem trennenden Leben im gemeinsamen? Dann ist der Roman nix wert, tut mir Leid)."



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